Wie kann ich Musik zu einer Lesung von Yoko Tawada schreiben, die die Aufmerksamkeit auf die Texte nicht stört, aber auch nicht zum Hintergrund, zur Stimmung oder bloßen Atmosphäre wird? Musik als Begleitung — eine Begleitung, die dem Geschehen folgt, aber von einer eigenen Perspektive und Bewegungsform aus. Eine Begleitung, die einen Raum eröffnet, der mit dem Raum der Texte in ein Verhältnis tritt, eine Spur setzt, Korrespondenzen entstehen lässt — sei es innerhalb eines Textes, oder zwischen verschiedenen Texten der Lesung. Eine Begleitung, die aus einem recht homogenen klanglichen Grundmaterial heraus doch verschiedene Farben, Gestalten, Ausprägungen entstehen lässt, und einen Zusammenhang bildet, der sich weder aufdrängt noch verleugnet. Eine zweite Ebene, die da und dabei ist.

Aufführung in der Akademie der Künste Berlin 26. Mai 2018 im Rahmen des 19. Poesiefestivals Berlin