Jörg zu vermissen 2022
Am 2. April 2020, mitten im Corona Lockdown, starb Jörg Holkenbrink, Initiator und Leiter des Theaters der Versammlung Bremen. Zwei Jahre später fand unter dem Titel "Hut ab für Jörg Holkenbrink" eine Gednkveranstaltung statt, an der ich wegen eines Auslandsaufenthalts nicht teilnehmen konnte. Statdessen schickte ich diesen Gruß.
Was vermisse ich. Ich vermisse Jörgs Stimme, die ich jetzt, wo ich dies schreibe, im Ohr habe. Die Stimme, die fragte, wirklich fragte, nach mir fragte, nach uns fragte, tiefer fragte, und dann oft Unerwartetes dazu sagte. Ja, den Raum dieser Gespräche vermisse ich, die helle und warme, erfahrene und doch jungenhafte Stimme vermisse ich. Jörg vermisse ich. Die Neugier, die Bereitschaft zum Widerspruch, die Bereitschaft den Widerspruch anzuhören, geradezu herauszufordern, die Bereitschaft sich nicht einig zu sein, und damit leben zu können, und damit sich trotzdem nah sein zu können, und zu beobachten, wie es sich weiterentwickelt, mit diesem Unterschied, in dieser Freundschaft. Ich vermisse die Konfrontation mit Themen, auf die ich nur durch Jörg gestoßen wurde. Und natürlich das Lernen von ihm, den Blick des Theatermenschen, die Inszenierung von Räumen und Texten, von Texten als Räumen. Die Gespräche über Kunst.
Als wir unmittelbar nach Jörgs Tod, mitten im tiefsten Lockdown, einen Zoom Treff hatten, auf dem wir unsere Tränen ein Stück weit gemeinsam weinen konnten, da hatte ich das ganz starke Gefühl, dass etwas weitergehen würde und dass Jörg trotzdem bei uns ist, auch wenn er nicht mehr bei uns ist. Ich hoffe, dass ihr heute ein ähnliches Gefühl habt, und dass wir bei aller Veränderung etwas von dem fortsetzen können, das uns allen so wichtig und so einzigartig ist.