vielleicht lassen sich paradigmatisch zwei arten von disziplin unterscheiden. und die art dieses unterschiedes, dieser entscheidung ist wiederum paradigmatisch für eine alternative auf vielen anderen gebieten.

die eine disziplin kommt vom militär. gehorchen, sich unterordnen, eine funktion perfekt ausfüllen sind ihre werte. das bett wird genau so gemacht, weil es so sein muss. hier glattziehen, keine falte in der decke, das schlafzeug so und so ans fußende. weil es immer so war, weil es so richtig ist, weil es sich so gehört. schon die frage ist eigentlich ungehörig. hier die falte, das geht nicht. das donnern von oben, das angedonnert werden, dem donner ausgesetzt sein von unten, das sind konstitutive bestandteile. es geht um die herstellung einer maschinerie des ganzen, die das funktionieren der einzelnen teile benötigt. das funktionieren aus der sicht des einzelnen ist dann diese art disziplin.

die andere disziplin kommt aus dem kontakt mit den dingen. das bett selbst möchte gemacht werden. es fühlt sich wohler dann, und sieht schöner aus. es möchte so sein, und die disziplin ist die aufmerksamkeit und die bereitschaft seine stimme zu hören. es ist die stimme von unten, nicht von oben, und sie äußert sich nicht im donnern, sondern als leises zeichen, als bitte, als angebot, als möglichkeit, die der einzelne nicht annehmen muss, sondern kann. es gibt keine strafe bei nichtbeachtung, es gibt nur ein geringeres maß an liebe, an übereinstimmung, an befriedigung. diese disziplin ist zuwendung und pflege. dem schmutz wird sich beim saubermachen genauso zugewandt wie der sauberkeit. es gibt keinen ekel davor, sondern befassung damit. letzten endes ist diese disziplin eine verwirklichung von liebe, ein sich bewegen in und bewegtwerden von der liebe.

die beständige veränderung ist ein ebenso konstitutiver bestandteil dieser art von disziplin wie der beständige kampf um allgemeingültigkeit, gegen abweichung und gegen veränderung konstitutiv für die disziplin des gehorsams ist. (es sei denn die veränderung wird selbst von oben befohlen.) veränderung, anders sein und anders werden, ist der anderen disziplin nicht nur als zeitliche entwicklung substanziell, sondern auch als individuelle abweichung. verschiedenheit der körper und der zeiten, was vor zehn jahren an schmutz oder sauberkeit, an ordnung oder unordnung, an verkommenheit oder eleganz der kleidung für einen einzelnen richtig war, ist es heute vielleicht nicht mehr. und die vielen einzelnen, die zusammenkommen, bringen ihre unterschiede mit, im gehen und stehen, im liegen und sitzen. alles ist in veränderung, und das ganze besteht aus einer großen veränderung als resultante der vielen kleinen unterschiede und veränderungen. disziplin wäre als soziale perspektive dasselbe wie aufmerksamkeit, für andere und für das ganze. aufmerksamkeit, nicht anpassung.

das ideal der disziplin ist das von selbst des daoismus, oder das vom weg gezogen werden in mancher buddhistischer tradition. also überflüssig zu werden, sich aufzulösen — vermutlich auch das ein interessanter unterschied zur autoritären tradition, für die auflösung mit katastrophe oder verfall gleichzusetzen ist. bis dieses ziel erreicht ist, bleibt disziplin eine lustvolle aufgabe und entdeckungsreise, um das nicht aus der hand zu geben, was in sie gelegt ist. lebenszeit.