Die Idee zu diesem Stück hat mit folgender Erfahrung zu tun. Jemand sagt: Weisst du was ... (zum Beispiel: Pansori) ist? Ich zeige es dir auf Youtube.

Wie sehr ist das, was wir in einem solchen Medium sehen, noch das, was in einer bestimmten Situation festgehalten wurde? Welches Eigenleben entwickelt das Medium? Was zerstört es, was macht es möglich? Was nimmt es, was gibt es, wie verändert es?

Ich wollte diesen Fragen in einer Konstellation nachgehen, in der ein technisches Objekt und ein Mensch zusammenspielen. Ein kleiner Lautsprecher ersetzt den Pansori-Sänger. Er beginnt das Stück mit einem Ruf, auf den die Buk-Spielerin antwortet. Wie beim Pansori.

(Fragen nachzugehen in einem künstlerischen Modus: es entsteht eine Phantasie, eine Konstellation setzt sich um in ein Geschehen, in ein Spiel, ein Hin und Her aus verschiedenen Rollen, Bewegungen, Klanglichkeiten.)

Nach dem Zitat, dem Ruf des Pansori-Sängers aus dem Lausprecher antwortet die Buk-Spielerin mit einer organischen, zielgerichteten Bewegung. Ihr Ziel ist der nächste Ruf. Dieser erscheint auch, aber vielleicht mit einer gewissen zeitlichen Unstimmigkeit. Zu spät, zu früh. Ob dies nun der Grund dafür ist: die Accelerando-Bewegung lädt sich mehr und mehr mit Kleinigkeiten auf. Immer komplizierter wird es, immer mehr soll integriert werden, immer ausgedehnter werden die Phasen, bis es keine Phasen mehr sind. Was als Antwort und Imitation begann, dreht sich in sich, ist das nicht faszinierend, das kann sehr faszinierend sein. Aber die Energie läuft sich irgendwann tot, erstarrt. Der Lautsprecher, der nicht mehr als Ziel der Bewegung angesteuert wurde, feuert noch kurz die Buk-Spielerin an (Vertauschung der Rollen), und schweigt dann. Und die Buk-Spielerin, die zu einer Art Maschine geworden ist, hat sich halbiert, spielt nur noch mit der rechten Hand, die den Stock hält, laut, immer laut, aber auch seltener. Die Verkrampfung lässt Löcher entstehen, und irgendwann hört man aus dem Lautsprecher einen ganz anderen Klang, klingt so Erde, Wellen, leise Wellen, dazwischen Stille. Manchmal hört man etwas, und man wird an etwas erinnert. Man antwortet nicht direkt darauf, aber doch hat es etwas in Gang gesetzt. Die linke Hand, die linke Hand, die aufgegeben hatte, ist nun frei geworden, und sie, soll man sagen antwortet, mindestens reagiert sie, sie spricht, in ihrer linkshändigen Art. Was ist das für ein Gespräch, parallel dazu immer noch einzelne gewaltige Schläge der rechten Hand, und auf einem von ihnen der Ruf des Anfangs, nun von der Trommlerin. Erneut Vertauschung, beisst sich die Katze nun in den Schwanz?

So ist, scheint mir, dieses Stück auch eine Phantasie über verschiedene Konstellationen zwischen "Mensch" und "Maschine", zwischen einem Menschen und dem von Menschen Erzeugten. Und es ist beileibe nicht so, leider, dass der Mensch in diesen Konstellationen immer den Part des Lebendigen einnimmt.

Aufführung Seoul 15. Juni 2016

Uraufführung Panicale 21. August 2015

Program notes for first performance (21 august 2015)
Partitur
Aufführungsmaterial